Wer liebt noch Delacroix-Schinken?
"Harmonie der Gegensätze" - Plastiken und Malerei im Kulturtreff
 

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May-Britt Hiemenz begrüßt Helena Strohmayer und Holger Rhensius.
Skulpturen "Entwicklung" (Linde/Schiefer); "Chiron" (Ahorn/Bergkristall) v.re.
 
 
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(gra) Das ist in Mannheim ein "must" im Kunstunterricht: Ganzen Schulklassen wird beim Besuch der Kunsthalle der "Stolz des Hauses", ein gewaltiger Delacroix-"Schinken" vorgeführt: Zu sehen ist die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko. Mit Soldaten, Gewehren, Pulverdampf und dem armen Opfer. Lebensecht, teuer und nicht so leicht zu klauen wie Mannheims Spitzweg. Beides gemalt im 19. Jahrhundert, als Historienmalerei und Betulichkeiten en vogue waren. Im zweiten Jahrtausend malt man anders. Hat andere Themen, sofern es denn überhaupt Themen sind, mit denen sich jetzt im Feudenheimer Kulturtreff der Maler Holger Rhensius vorstellt, gemeinsam mit der Bildhauerin Helena Strohmayer. Auch sie weicht mit ihren Schöpfungen vom Althergebrachten ab, geht neue Wege, gestaltet jedoch keine namenlosen Werke. Die beiden in Bayern lebenden Künstler wurden namens des Feudenheimer Kulturtreffs von May-Britt Hiemenz vorgestellt. Sie betiteln ihre Präsentation "Harmonie der Gegensätze". Das bedeutet sowohl den Spannungsbogen, der zwischen den abstrakten Gemälden von Rhensius und den hier ausgestellten Plastiken liegt, als auch jenen in den Skulpturen selbst, die aus der Werkstatt von Helena Strohmayer kommen. Strohmayer verleugnet nicht ihre geistige Bindung zu sozialen Themen, zum Urgrund der Schöpfung. Dankbar sehen die Freunde der Allmutter Natur, dass Strohmayer uraltem Holz mit ihrer Plastik "Entwicklung" eine Metamorphose gibt. Sie nahm sich fürsorglich der berühmten, im Sturm gefallenen tausendjährigen Holzhauser Linde an, formte einen Abschnitt ihres Stammes ähnlich einer sich öffnenden Mandel und integrierte darin Schiefer und eine versteinerte Schnecke. So überlebt der uralte Sagenbaum. Zur Holzhauser Linde wanderten Liebende, die sich dort auf einem ehedem keltischen Kultplatz ihr Treueversprechen gaben. - Weniger gefühlsträchtig sind die gezeigten Gemälde von Rhensius, der schon "wildere" Epochen abstrakter Malerei hinter sich gelassen hat. Er lädt den Beschauer seiner Werke zu großer Ruhe und zur Freude am Weglassen ein. Hier darf man, gerade wegen des nicht vorgegebenen Titels, seine Phantasie in den großrahmigen Formaten spazieren führen. Strohmayer dagegen fügt scheinbar Unvereinbares zusammen, weiches formbares Holz und harte Kristalle. Sie gibt ihren Gestalten Namen wie "Entwicklung", "Urkraft", "Im Spiegel"; auch "Hochzeit" und "Danke, Mutter". Dabei integriert sie kostbare Steine in ihre Holzstatuen. Das kann man kaum beschreiben, das muss man gesehen haben! Darum überreichen wir den Besuchern des www.feudenheim-net unseren beliebten Bilderbogen mit vielen schönen Eindrücken von dieser Vernissage.

Lydia Grabenkamp
 

Die Ausstellung ist noch zu sehen im Feudenheimer Kulturtreff am 06.05; 07.05; 13.05; 14.05; 20.05 und 21.05. jeweils samstags von 14 - 17 Uhr und sonntags von 10.30 - 16.00 Uhr. Eintritt frei.