Brahms- und Hugo-Wolf-Lieder: - Eine Soirée für Musikfreunde
Peter Ullrich und Annette Suhr konzertierten in Epiphanias
 
   
Bassbariton Peter Ullrich und Pianistin Annette Suhr  
       Foto Grabenkamp  
 
(gra) "Mit dem Wörtchen "Schade...", riet mein Chefredakteur mir vor vielen Jahren - "also, mit "Schade" dürfen Sie keinen positiv gemeinten Artikel anfangen. Dann wird der unweigerlich negativ!" - Sei's drum. Ich fange trotzdem an: "Schade, dass ich nur mit Worten und nicht auch mit Musik 'rüberbringen kann, wie es so wunderbar geklungen hat, als ich an einem schönen Vorherbstabend im Epiphanias-Gemeindesaal Lieder von Johannes Brahms und Hugo Wolf hören durfte. Es sang der Bassbariton Peter Ullrich (Salzburg); gleichwertig künstlerisch hörte ich dazu die Pianistin Annette Suhr (Heidelberg). Beide Musiker sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und musizieren seit Kindertagen gemeinsam; so ließen sie ihre Freude an der Musik auf ihre Zuhörer überspringen. Mit mir erfreute sich ein musikbegeistertes Auditorium an den Schöpfungen zweier Komponisten, die verschiedene Kunstauffassungen vertraten, die "romantische": Johannes Brahms (1833-1897) und die "neudeutsche": Hugo Wolf (1860-1903). Ursula Trede-Boettcher führte feinfühlig und sachverständig in den Abend ein. Auch Bassbariton Peter Ullrich würzte seine Liedvorträge mit erfrischend-charmanten Anmerkungen, die Interesse weckten, ohne lehrhaft zu sein und den jetzt in Innsbruck am Institut der Universität Mozarteum Salzburg ordinierten, gewiss bei der Jugend beliebten Gesangs-Professor verrieten. "Verräterisch" wie Worte sind ja auch die musikalischen Geschöpfe der Komponisten. Sie entschlüsseln dem genau Hinhörenden viel vom Charakter ihres Erzeugers. Brahms, stets bescheiden und von Selbstzweifeln geplagt, untermalt in seinen Liedvertonungen die Texte zurückhaltend und einfühlsam (man verzeihe das abgegriffene Wort). Hugo Wolf, ungebremst in wilden Schaffensperioden, stellt seine Musik gleichstark neben die erwählte Poesie, an diesem Abend zu Gedichten von Mörike. Beide künstlerischen Ausdrucksformen sind adäquat; Brahms jedoch gelingt der Wurf, Volkslieder zu erschaffen. Peter Ullrich und Annette Suhr deuteten den Spannungsbogen zwischen den beiden Komponisten mit Virtuosität, absoluter Perfektion und vor allem großer Musizierfreude. So erlebte man "d e n" Liederabend, der bekanntlich nur von absoluten Könnern gestaltet werden kann. Das Programm der Soirée begann mit Brahms "Vier ernste Gesänge" nach Bibeltexten, es folgten fünf Volkslieder und die "Vier Gesänge op.43" mit dem wohl schönsten Brahms-Lied "Von ewiger Liebe". Zwölf Hugo-Wolf-Lieder, insbesondere "Der Tambour" und "Der Feuerreiter" stellten sehr hohe - und fabelhaft erfüllte - Anforderungen an die Künstler. So blieb kein Wunsch offen, und freundlich gewährte Zugaben riefen den an diesem Abend gern und reichlich gespendeten Beifall hervor. Die Kirchenältesten luden im Anschluss an das Konzert zu einem kleinen Umtrunk ein, bei dem gern genutzte Gelegenheit war, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Lydia Grabenkamp