Des lieben Gottes Sonntagsmusiken!
Mozart-Jubiläumskonzert in der Epiphanias-Kirche
 
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 Silvia Becker-Bender, Ursula Trede-Boettcher
 
Fotos Grabenkamp
 
(gra) "Wenn ihr Christen nicht immer so traurige Gesichter machtet, glaubte ich gern an euren Gott" musste sich ein Missionar von einem "Wilden" auf Hawaii sagen lassen. Wahrscheinlich hätte da ein "Credo", vertont von Mozart, bessere Überzeugungsarbeit geleistet, so wie es Ende Mai in der Epiphanias-Kirche in Feudenheim beim Mozart-Jubiläumskonzert gesungen wurde. Patricia Rojas-Schubert leitete die Kirchenchöre der Epiphanias- und Paul-Gerhard-Gemeinde, dazu ein eigens zusammengestelltes Orchester mit einer Streichergruppe der Capella Palatina und die Solisten Ursula Trede-Boettcher (Orgel), Silvia Becker-Bender (Flöte), Angela la Rosée (Sopran, Alt), Anna Schubert (Sopran), Dietmar Berg (Tenor), und Johannes Schubert (Bariton). Sie musizierten hier mit freudiger Hingabe vor einem begeisterten zahlreichen Publikum. Ursula Trede-Boettcher und Rojas-Schubert verrieten viel über Mozarts Aufenthalt in unserer Region, wo er schon als Siebenjähriger in der Heidelberger Heilig-Geist-Kirche die Orgel spielte und später in Mannheim seiner ersten großen Liebe Aloisia Weber (17) und "ihrer geläufigen Gurgel", also ihrem ganz wunderbaren Sopran, das "Exultate Jubilate" mit dem weltberühmten "Alleluja" widmete. In diesem Feudenheimer Konzert wurde es geradezu himmlisch intoniert von Angela la Rosée. Das Konzert begann mit dem "Tantum ergo", gesungen vom Chor der Paul-Gerhard-Gemeinde mit den Solisten Angela la Rosée, Anna Schubert, Dietmar Berg und Johannes Schubert. Dieses jubelnde Tantum ergo entspricht der Aussage Mozarts, dass seine heimliche Liebe der Kirchenmusik galt. Drei seiner 16 Kirchenkantaten entstanden während seiner Mannheimer Zeit. Immer schimmert seine Fröhlichkeit durch, auch im "Großen Andante für Flöte und Orchester", beseelt gespielt von Silvia Becker-Bender, ein Werk, das oft zu hören ist und immer wieder entzückt; es entstand vermutlich in Mannheim, geschrieben für Aloisias Vater, der Flötist war. Es ist ein Beispiel für die neue Mannheimer Schule, bringt nur Flöte und Streicher, und dieser "Mannheimer Geschmack" gefiel Vater Leopold Mozart nicht. - Ursula Trede-Boettcher widmete sich auf der Orgel "Adagio und Allegro in f-moll für eine Orgelwalze" KV 594. Dieses ist trotz moll-Ton bewegt-schreitend und gutgelaunt und bestätigt den Ausspruch: "Alltags spielen die Engel im Himmel für den lieben Gott Bach - aber am Sonntag Mozart!" - Die Krönung des Jubiläumskonzertes war die "Missa in C-Orgelsolo-Messe" KV 259. Hier erschienen beide Kirchenchöre mit den Solisten und das Orchester zu einer herrlichen musikalischen Gesamtdarbietung und wurden von den andächtigen Zuhörern mit großem Applaus bedankt, ebenso bei der "Kirchensonate in D-Dur" und dem "Laudate Dominum" aus "Vesperae solennes de confessore". Walter Becker-Bender und die Kirchenältesten beschenkten die Künstler mit Rosen und luden zu einem Empfang ins Gemeindehaus ein.

Lydia Grabenkamp