"Am Brunnen vor dem Tore stehn Schorsch und Bas Kathrin"
Osterbrunnen am alten Rathaus festlich geschmückt zum Frühlingsanfang
 

     Zum Bilderbogen

             Bas Kathrine bestaunt den Osterbrunnen  
 
Alle Fotos Grabenkamp  
 

(gra) "Das wärmt mein Herz!" sagt eine alteingesessene Feudenheimerin. Sinnend steht sie vor dem plötzlich herrlich geschmückten Osterbrunnen am alten Feudenheimer Rathaus und freut sich über die zahllosen gelben und weißen Schleifen und die vielen lustig in frisch-grünen Girlanden baumelnden Ostereier. Sie locken den roten Sandstein förmlich aus dem Winterschlaf heraus. Der Brunnen mitten im alten Feudenheimer Ortszentrum ist Anfang April Treffpunkt und Wirkungsstätte von besonders engagierten Mitbürgern. Sie schmücken zur Osterzeit den historischem Vorbild nachgebauten Ziehbrunnen aus Sandstein nun bereits im zweiten Jahr. Bezirksbeirätin Elisabeth Weiß (CDU) hatte die Idee zu diesem frohen Werk und versicherte sich dazu einer Reihe von Helfern. Fachmännisch und mit Material unterstützt von Gärtnermeister Karl Hoffmann (Neckarplatt) wanden Landfrauen zwei je sechs Meter lange Girlanden und schmückten sie. Ihre Vorsitzende Hedwig Spatz motivierte dazu die Landfrauen Anneliese Putzer, Christa Übler, Ursula Schmidt, Gisela Herzog, Else Schwarz und Otti Dräxler. "Hier ist auch alles im Eimer!", lachten sie, denn auch der im Ziehbrunnen baumelnde Eimer quoll über von Eiern und Blumen. Ein so schöner Brunnen will Leben sehen, und so bat BBR Weiß die Feudenheimer Hauptschule, bei einer kleinen von ihr gestalteten Einweihungsfeier mitzumachen. Rektor Peter Pfeifenberger freute sich über diese Idee, und gern sagten die Lehrerinnen Ricarda Lessing (Kl. 5 b) und Michaela Fröhlich (Kl. 5 a) zu. Erstaunlich, was sie gemeinsam mit ihren jeweils 16 Buben und Mädchen zählenden Klassen zum Thema "Frühling" (KL. 5a) und "Wasserversorgung vom Altertum bis heute" (Kl. 5b)" den erfreuten Zuschauern boten. Bienen, Schnecken und Schmetterlinge, aber auch Blitz und schwarze Wolken (alles selbstgebastelt, wie auch Blumen) tanzten zum sinnvoll rezitierten Gedicht vom Frühlingswetter in den Händen der jungen Künstler; einige führten die jährlich wiederkehrenden Frühlingsspiele vor, dribbelten mit dem Ball oder fuhren Roller. Andere gestalteten ein Plakat, das die Wichtigkeit der Wasserversorgung durch Brunnen klug darstellt. BBR Weiß berichtete über die alte Sitte in der Fränkischen Schweiz, Hessen und Sachsen zu Ostern die Brunnen zu schmücken. So kam sie schon im Vorjahr auf den Gedanken, dieses auch in Feudenheim zu verwirklichen. Dr. Achim Ding (BBR/CDU) sagte für die Feudenheimer Bürgergemeinschaft allen beim Brunnenfest Mitwirkenden Dank. Stimmungsvoll klang die kleine Feier aus mit einem von Weiß gedichteten "Feudenheimer Brunnenlied". Die Landfrauen sangen nach der Weise von Franz Schubert: "Am Brunnen vor dem Tore, da stehn Schorsch und Kathrin. Sie schöpfen täglich Wasser, und froh steht stets ihr Sinn! Ein Schwätzchen vor dem Brunnen erzählt vom Ortsgeschehn. Dann zogen sie von dannen, bis sie sich wiedersehn."

Lydia Grabenkamp

 
Die Geschichte der Feudenheimer Brunnen erzählt von Elisabeth Weiß

Der Brunnen auf dem Rathausplatz steht als Symbol für viele Brunnen in Feudenheim. Es ist ein Werk nach dem historischen Vorbild des Originalbrunnens im Garten der Johanniskirche. Der verstorbene Herbert Gutfleisch, Handwerkskammerpräsident i.R., gründete ein Brunnenkomitee, als es um die Neugestaltung des Feudenheimer Rathausplatzes ging. Mit Hilfe aus Spenden von Vereinen und Privatpersonen und der tatkräftigen Unterstützung des Bildungs- und Technologiezentrums der Handwerkskammer kam dieser Brunnen 1998 zur Vollendung.

Überall, wo es Wasser gab, kam es stets zu Ansiedlungen. Dort begegnen auch Archäologen bei ihren Grabungen Brunnen, wie es im Jahr 2001 in der Nähe von Straßenheim der Fall war. Dieser Brunnen wurde aus dem Altertum datiert. So auch der Brunnen im Bösfeld einer Merowinger-Siedlung aus dem 3.-6. Jh. n.Chr. zugeordnet. Die Notwendigkeit einer Versorgung der Menschen mit guten Trinkwasser erkannte man schon recht früh. Grundwasser und Quellen wurden in Brunnen gefasst, und so das Leben für Mensch und Tier und die Bewässerung der Gärten und Felder gewährleistet.

Und solche Brunnen gab es in Feudenheim viele, wie auch ältere Bürger berichten. In der Regel waren es Tiefbrunnen. Man unterscheidet Zieh- und Laufbrunnen. Zwei sind in ihrer Ursprünglichkeit noch zu sehen. Beide sind aus rotem Sandstein gefertigt und reichlich bildhauerisch verziert. Auch damals ein Ausdruck der Wertschätzung. Die Brunnenstraße, der Brunnenpfad und die Brunnenapotheke zeugen aus dieser Zeit. Die Brunnen bedurften stets sorgfältiger Überwachung, denn sauberes Wasser war der Garant der Gesundheit. Der Ausdruck "Brunnenvergifter" kommt vielleicht aus dieser Zeit. Eine solche Tat hätte verheerende Auswirkungen gehabt, wie auch heute noch in übertragenem Sinn.

Die Versorgung mit Trinkwasser blieb aber dennoch ein Problem, da es keine Abwasserleitung gab. Vieles versickerte im Grundwasser. Epidemien waren oft an der Tagesordnung, besonders in den Städten. Aus dieser Notwendigkeit entstanden in Deutschland Kanalisationen und viele Wassertürme seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. Der Bau eines Wasserturmes war für eine Gemeinde ein großer Fortschritt. Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser war somit gewährleistet. Unser Wasserturm in Feudenheim wurde wohlgemerkt erst 1905 gebaut, fünf Jahre vor der Einbürgerung Feudenheims nach Mannheim.

Für die Stadt Mannheim wurde schon 1888 das Wasserwerk im Käfertaler Wald gebaut. Deshalb konnte bald nach der Einbürgerung Feudenheim an die zentrale Versorgung angeschlossen werden. Erwähnenswert zur Kostbarkeit des Wassers: Bei der Besetzung Mannheims 1945 durch die Amerikaner haben beherzte Bürger der Stadt die Zerstörung ihrer Wasserversorgung auf diplomatischem Wege verhindert. Ebenfalls sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es heute trotz allem Fortschritt noch für alle Fälle Notbrunnen in Feudenheim gibt, die von einem Brunnenwart in geheimer Mission überwacht werden.

Die Autorin Elisabeth Weiss ist Bezirksbeirätin (CDU) in Feudenheim