Feidemer Leichenfrau im Sepulkralmuseum
Ausstellung "Todesmutig" zeigt Bas Kathrine und Vetter Schorsch
 
   
                    Bas Kathrine und Vetter Schorsch im Sepulkralmuseum Kassel.
                    Entwurf Prof. K-H. Nuss.
 
       Foto Hellwig  
 
(gra) Da stehen sie auf unserem Rathausplatz, und jetzt sogar im Sepulkralmuseum Kassel: die Feidemer Originale Bas Kathrine und der Vetter Schorsch. Sie halten einen gemütlichen Schwatz überm Lallehaag (Lattenzaun). 1998 erlebten die beiden noch aus dem 19. Jahrhundert überlieferten Ur-Feidemer ihre Auferstehung in Bronze als Mittelpunkt des neu gestalteten Platzes am alten Rathaus. Kathrine und Schorsch traten in Feudenheim immer wieder als vielbelachtes, streitsüchtiges Paar in der Fasnacht auf. Robert Wildhirt (verstarb mit 97 Jahren) wusste aber noch mehr: "Die Bas Kathrine war unsere Leichenfrau. Die kannte die Feidemer ganz genau. Wann ääns gschtorwe is, hot se die Leich gewesche unn hot die Leich angesagt. "Vum Welsche Andres is die Leich morge um drei. Er seid doch dabei?" Dann hot mer ihr e Penning gewwe. S'könne auch mehre gewese sei. Wann länger keins gschtorwe isch hot se gesagt: "Im Aareblick is nix zu erwe. Er Leit, s'isch gar kä Lewe im Schterwe!" Die Bas hatte also einen ganz gesunden Humor, trotz ihres traurigen Berufes als Leichenfrau. Ihre Tätigkeit wird in der christlichen Lehre als "Siebtes Werk der Barmherzigkeit" bezeichnet. Und diesem Thema widmet sich die Ausstellung "Todesmutig..." im Kasseler Sepulkralmuseum mit Darstellungen aus den Bestatterberufen. Bei der Vorbereitung hierzu wurde die "Bas Kathrine" entdeckt in unserem www.feudenheim-net.de unter dem Titel "Ein Pfennig für die Leichenfrau" . Man nahm durch uns Verbindung auf zur Witwe Maria des inzwischen verstorbenen Handwerkskammerpräsidenten Herbert Gutfleisch, Hauptsponsor der Skulptur der beiden Originale. Danach wurde Prof. Karl-Heinz Nuss, der Schöpfer der Skulptur, um ein Modell gebeten, das er bereitwillig dem Sepulkralmuseum zur Verfügung stellte (unser Bild). Und so schwatzen über ihren Lallehaag nun Bas Kathrine und Vetter Schorsch im Kasseler Sepulkralmuseum in dessen Jahresausstellung 2006. Die Geschichte des Bestatterberufes will diese Ausstellung thematisieren und betritt damit Neuland, denn eine Kulturgeschichte der Berufe, die bei einer Bestattung helfen, fehlte bisher. Die Leichenfrau Bas Kathrine gehört dazu. Und auch der Vetter Schorsch. Es soll sich bei ihm um den Wirt vom "Ochsen" gehandelt haben, der die männlichen Leichen rasierte.

Lydia Grabenkamp