Bora-Bora: Das TABU zerstört einen Südseetraum
1931er Stummfilm mit Musik von Violeta Dinescu in Epiphanias
 
   
Das Ensemble Contraste ( Ion Stefanescu; Skorin Petrescu; Doru Roman)  
 
       Foto Grabenkamp  
 
(gra) Epiphanias macht's möglich: An einem November-Abend einen Ausflug in die Südsee, nahe Tahiti auf die Insel Bora-Bora. Wir kennen Bora-Bora als Erholungsort von VIPS und Models. Sie räkeln sich dort in traumhaften Bungalows, blicken durch den Glasboden in die Lagune, bekränzen sich mit Leis (Blumengirlanden) und super-teuren schwarzen Tahiti-Perlen. Die schöne Insel war 1931 noch anders, ursprünglicher, nicht von der Touristikindustrie entdeckt, darum naturnaher, und das wurde von dem Regisseur F.W. Murnau in einem schwarz-weißen Stummfilm eingefangen. Er zählt bis heute zu den bedeutendsten Melodramen der Stummfilmära. Die Laiendarsteller sind sämtlich Menschen aus dem Südsee-Archipel. Die Geschichte von Liebe, Verfolgung und Tod durch "TABU", das Unerlaubte, mag nach den heutigen Ansprüchen etwas naiv, die Dramatik nicht bis ins letzte ausgereizt sein, doch die Fotografie ist hervorragend. Mitgerissen waren die Zuschauer; ein jüngeres Publikum als sonst bei "Epiphanias-Kultur" gewohnt. Denn die Darbietung des Films, begleitet von Musik der vielfach ausgezeichneten Komponistin Violeta Dinescu, bot sich als bezwingendes Ganzes an, wozu das Ensemble Contraste ganz erheblich beitrug. Die drei Musiker Ion Stefanescu (Flöte); Sorin Petrescu (Klavier); Doru Roman (Xylophon, Schlagzeug und Trompete) setzten die Töne in Bruchteilen von Sekunden genau lautmalerisch zur Handlung, sei es nun, um tosende Wasserfälle, ruhendes oder wildes Meer, Zorn oder Liebe darzustellen, so wie Dinescu es erdachte. Die Vorführung dieses hochkünstlerischen Ensembles aus Film, Musik und Musikern war möglich durch die Ernst-Lothar-von-Knorr-Stiftung.
Lydia Grabenkamp