In memoriam Dr. Karl Otto Watzinger:
93 Jahre tätiges, aufrechtes Leben eines echten Demokraten
 
   
 
Foto Lydia Grabenkamp           
 
(gra) Er tat nicht nur "sein Bestes", er tat mehr als das. Für Mannheim, für Feudenheim, für das Gedenken an die jüdischen Mitbürger: Dr. jur. Karl Otto Watzinger, prominenter Bürger Feudenheims und Ehrenmitglied der Feudenheimer Bürgergemeinschaft, verstarb am 30.04.2006 kurz vor seinem 93. Geburtstag. Sein wahrhaft erfülltes Leben widmete er unermüdlich dem Dienst an einem von demokratischen Idealen geprägten Gemeinwesen. Dr. Watzinger wurde 1913 in Giessen als Sohn eines Archäologen geboren und verbrachte seine Schulzeit in Tübingen. Er ging als Student in das "Tausendjährige Reich" hinein mit dem Anliegen, soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Dr. Watzinger sagte uns 1994 in einem Gespräch dazu: "Ich wählte das Jurafach, weil man es hier direkt mit den Menschen zu tun hat. Doch, ein Richter wollte ich nicht werden. Richter kommen immer zu spät! Dagegen, ein Jurist in der Verwaltung kann aufbauen! Es vergingen aber viele Jahre, bis ich das umsetzen konnte. - Durch mein Studium lernte ich ausgezeichnete jüdische Professoren kennen, wurde wegen meiner Kontakte zu ihnen zwei Jahre ins Gefängnis und dann noch zwei Jahre ins KZ gesperrt, dann in einer "Todeskompanie" nach Russland geschickt und geriet schließlich dort in Gefangenschaft. Nach dem Kriege setzte ich mein Studium fort, machte meinen Assessor und Dr. jur. - Meinen Dienst in Stadtverwaltungen begann ich in Ulm mit der Wiedergutmachung für Juden; das entwickelte sich zu einer meiner Hauptaufgaben. So kam es, dass ich nach meiner Pensionierung 50 Biografien herausragender jüdischer Mannheimer Mitbürger schrieb, denn zu meinem Dezernat als Bürgermeister in Mannheim - 16 Jahre unter Dr. Reschke - gehörten seit 1954 die Gemeindesekretariate, das Rechts- und Personalamt und das Stadtarchiv, in dem mir die Quellen der Mannheimer Geschichte nur so zuflossen. Erst 1951 trat ich in die SPD ein. Politisch aktive Bürger müssen in eine Partei gehen. Da können sie das besser machen, was sie kritisieren. Und Zusammenarbeit der demokratischen Parteien ist so wichtig - die Menschen müssen miteinander sprechen, damit sie sich verstehen". - Vieles wäre hier noch aufzuführen, was der Verstorbene seinen Mitbürgern mit auf den Weg geben könnte. Sehr wohl "ein Rufer in der Wüste", versicherte der Bejahrte, den wir mit 90 Jahren noch als Leiter einer Menschengruppe auf dem Mannheimer jüdischen Friedhof finden konnten - (er war langjährig Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit) - : " Ich werde meine Führungen über den jüdischen Friedhof machen, so lange ich noch laufen kann!"; und sein Verhältnis zu unserer Stadt beschrieb er so: "Mannheim ist eine Weltstadt und meine Wahlheimat. Hier bin ich zu Hause!" - Die Feudenheimer Bürgergemeinschaft ernannte ihr langjähriges Vorstandsmitglied Dr. Karl Otto Watzinger, Bürgermeister i.R., bereits vor 28 Jahren zu ihrem Ehrenmitglied. Sein Name ist untrennbar verbunden mit dem Bau der Feudenheimer Kulturhalle, der ohne sein Engagement wahrscheinlich nicht verwirklicht worden wäre. Unter seinem Vorsitz kamen die Vertreter der Bürgergemeinschaft und der Stadt auf vielen Sitzungen zusammen und planten den Bau der "Mehrzweckhalle", die heute ein Mittelpunkt des öffentlichen Lebens ist.

Lydia Grabenkamp