Im Kaleidoskop:
Neues Buch: "Wir sind Mannheim"
63 Interviews mit Menschen unserer Stadt
 
   
 
  Die Feudenheimer Britta Peters und Philip Pristovsek möchten, dass ihr Sohn hier aufwächst  
 
Foto Thommy Mardo  
 
(gra) "Guck mal! Vorsicht! Nicht verwackeln!" Als Kinder starrten wir fasziniert ins Kaleidoskop, eine (Klo-)rollenförmige Pappröhre, innen verspiegelt und gespickt mit bunten Glassplittern. Rätselhaft, wie bei jedem leichten Dreh darin ein vielfarbiges Mosaik entstand. Immer in Bewegung, immer anders, immer schön. Ähnliches geschieht, wenn Mannheimer über sich und ihre Stadt erzählen: immer bunt, überraschend, faszinierend, informierend und stets liebevoll! Dazu waren 63 unserer Mitbürger bereit in dem jetzt im Wellhöfer-Verlag mit Fotos von Thommy Mardo erschienenen Paperback "Wir sind Mannheim". Eine kühne Behauptung - doch es kommen zu Wort Mannheimer Kinder und Ältere, Reingeschmeckte und hier Geborene mit unterschiedlichstem Background. Sie loben Mannheims Vorzüge, überreichen auch dringend nötige Zitronen (insbesondere Volker Keller, Spezialist in Sachen Bewahrung historischer Bausubstanz, S. 104 -107. Allein dieser Beitrag rechtfertigt das Buch!) Doch auch Kritik entspringt aus Liebe zu unserer Stadt und ihrer seit der Stadtgründung gepflegten Weltoffenheit. Der echte Mannheimer drückt den Fremden an sein raues Pfälzer Herz und präsentiert auch dem ungläubigen Schwaben und Berliner eine Stadt, in der es sich leben lässt zwischen Necker und Rhein, Pfalz und Odenwald. Hier werden auch Zugezogene zu Mannheimern, ehe sie sich's versehen. Davon berichten die zahlreichen Interviews, gestaltet von den prominenten Journalisten: Johannes Paesler, Herbert W. Rabl, Sabine Regele und dem Verleger Ulrich Wellhöfer. Sie sprachen mit Müttern und Töchtern, Schwestern, Einwanderern aus anderen Nationen, Familienmenschen und Managern wie Daniel Hopp, Künstlern und Sportlern, Wissenschaftlern wie Prof. Dr. v. Hoyningen-Huene, dem Mannheimer Star Xavier Naidoo und der Ordensfrau Schwester Walburgis, um nur einige zu nennen. Alle wurden hochkünstlerisch in klassischem Schwarz-Weiß von Thommy Mardo porträtiert. Alles bestens - doch man vermisst auch etwas in diesem Buch: Berichte über "den Mann und die Frau von der Straße", genauer über jene Menschen am Rande der Wohlstandsgesellschaft, Langzeitarbeitslose, alleinerziehende "sitzengelassene" Mütter, verschämte Kleinrentnerinnen oder Hartz IV-Empfänger, Menschen in Pflegeheimen, die ja in sehr großer Zahl auch "Wir sind Mannheim" darstellen könnten. Und als Kleinigkeit, aber erhellend, sähe man gerne unter Interviews und Features das den tüchtigen Autoren gebührende Zeichen. Doch das wird vielleicht nachgeholt, denn dieses Buch kann ja gar nicht vollständig sein; es verlangt nach mehr! "Wir sind Mannheim" hat ein überraschendes "Open end". Und das macht es spannend! Wellhöfer verfolgt eine ganz neue Idee. Er fordert alle Mannheimer auf, daran im Internet weiterzuschreiben. Unter: www.WirSindMannheim.de kann man über seine Erfahrungen und seine liebsten Mannheimer Geschichten berichten. Auf geht's! Schreiben wir! Sind wir Mannheim? Wer sind wir?

Lydia Grabenkamp
 
"Wir sind Mannheim" (Wellhöfer-Verlag ISBN 3-939540-05-6)