100 Jahre Cäcilienchor Mannheim Wallstadt
Katholischer Kirchenchor feiert Geburtstag
 
   
Im Jubiläumsjahr geehrt - vl. Heinrich Rauch, Heini Large, Anni Walter, Pfarrer Wolfgang Winter, Traudel Ringer, Anneliese Blaut, Angela Kohl und Heinz Lang  
 
Foto Elvira Jakobi
 
Katholischer Kirchenchor ehrt verdiente Sänger:
Wie in jedem Verein, so gehört auch beim Katholischen Kirchenchor bei der Jahreshauptversammlung die Ehrung verdienter und langjähriger Mitglieder zur Tagesordnung. Bei der diesjährigen Hauptversammlung am Beginn des Jubiläumsjahres konnten 1. Vorsitzende Anneliese Rauch und Heini Large gemeinsam mit Pfarrer Wolfgang Winter und Chorleiterin Anneliese Blaut gleich fünf Jubilaren gratulieren. Geehrt wurden Angela Kohl, Anni Walter und Heinz Lang für ihr 50-jähriges Chorjubiläum und Traudel Ringer und Heinrich Rauch für 25 Jahre Chorzugehörigkeit. In den letzten Jahrzehnten hatte der Cäcilienchor unter einem offensichtlich weit verbreiteten Phänomen, unter dem fast alle Vereine leiden, zu kämpfen: Nachwuchssänger fehlen. Nicht nur dem Kirchenchor, dem Wallstadter Cäcilienchor wäre zu wünschen, dass es eine Renaissance für den Gesang und für die Kirchenmusik gäbe, denn nur dadurch wären auch die Existenz und der Fortbestand des Chors gesichert.

Großer Gott wir loben Dich - Festliches Jubiläumskonzert:
Es war ein festliches Konzert und der absolute Höhepunkt des 100jährigen Chorjubiläums. Gemeinsam mit den Solisten Therese Glaubitz (Sopran), Johanna Kohl (Harfe) Elisabeth Blaut, Ursula Burns, Ute Wiesel und Petja Witek (Violine), Ewald Glombik (Viaola), Sebastian Blaut (Violoncello, Gertraud Rust (Kontrabass) Heinz-Georg Saalmüller (Orgel) unter Leitung von Anna Blaut überzeugte man wieder einmal mit einer grandiosen Leistung. Es war ein überaus anspruchsvolles Konzert, bei dem der katholische Kirchenchor von Sängerinnen und Sängern des evangelischen Kirchenchors Unterstützung bekam. Geschickt hatte die Chorleiterin die vorgetragenen Musikstücke aus den verschiedensten Musikepochen ausgewählt und harmonisch auf einander abgestimmt. Hochkonzentriert zeigten sich die Sängerinnen, Sänger, Musiker bei Werken von Ludwig van Beethoven ('Die Ehre Gottes in der Natur'), oder Wolfgang Amadeus Mozarts 'Ave verum Corpus', oder auch Stücken von Georg Friedrich Händel (Dank sei Dir, Herr), Johann Sebastian Bach (Ich will den Namen Gottes loben) oder Georg Philipp Telemanns Sonate in D-Dur. Zeitgenössischer Musik von Franz Josef Siegel 'Missa facilis' war ein weiterer Höhepunkt. Viel begeisterten Beifall gab es für den überzeugenden Chor und die großartige Darbietung der Sopranistin Therese Glaubitz und der Harfenistin Johanna Kohl. Begeistert zeigte sich nicht nur Pfarrer Wolfgang Winter. Lob gab es von den durchweg sachkundigen Konzertbesuchern und von Dekanatspräses Pfarrer Hans Dittmann, der dem Chor eine hohe Auszeichnung des Cäcilienverbandes - der Dachorganisation der katholischen Kirchenchöre Deutschlands - , die Palestrina-Medaille überreichte.

Chorchronik:
Es war im Jahr 1907, als sich katholische Frauen und Männer trafen, um einen Kirchenchor für die katholische Kirchengemeinde St. Oswald zu gründen. Aus einem alten Protokoll konnte man entnehmen, dass es schon vor 1907 eine Chorgemeinschaft gegeben hatte, die von einen Hauptlehrer Meyer dirigiert wurde. Der erste offizielle Dirigent des Cäcilienchors war Georg Stoll, dieser hatte auch die Gründung des Chors vorangetrieben. Im Spätjahr des Jahres 1907 fand die erste Chorprobe unter seiner Leitung statt. Die erste kirchliche Aufführung des gemischten Chors fand Weihnachten 1908 statt, eine lateinische Messe. Geprobt wurde damals im Schulraum von Hauptschullehrer Georg Stoll in der Wallstadtschule. In der Chronik des Cäcilienchors kann man nachlesen, dass der erste Vorsitzende des Chors der Schreinermeister Martin Freitag war. Der Chor entwickelte sich damals rasch und trug mit seinen musikalischen Beiträgen wesentlich zur Verschönerung der Gottesdienste bei. In dieser Zeit stand die katholische Oswaldkirche noch in der Mosbacherstraße 25. Hier steht heute das Gebäude der Volksbank. Nach dem Neubau der Herz-Jesu-Kirche, in den Jahren 1911 bis 1913 begann der 1. Weltkrieg. Da die meisten Männer, auch der Dirigent, zum Militär einberufen wurden, konnte man sich nur recht und schlecht über diese Zeit retten. In der Chorchronik ist weiter verzeichnet, dass im Jahr 1917 Hauptschullehrer Adolf Booz die Leitung des Vereins übernommen hatte und den Chor auch, bis zu seiner Versetzung an Ostern 1923, dirigierte. Nachlesen kann man auch, das der Cäcilienchor in dieser Zeit nur noch aus elf Damen und drei Herren bestand. In den Jahren nach 1923 ging es dem Verein wieder besser, es ging aufwärts. In den folgenden Jahrzehnten konnte der Chor neben seinen Verpflichtungen im Gottesdienst immer wieder alljährlich Ausflüge organisieren. Große Chorprojekte, wie die Teilnahme an Bezirks-Cäcilienfesten, waren von Erfolg gekrönt. Die Jahre vor dem zweiten Weltkrieg und der aufkommende Nationalsozialismus bescherten auch dem katholischen Kirchenchor, wie allen anderen Vereinen in dieser Zeit, Probleme. So musste man sich immer mehr den Parteivorschriften fügen. Immer wieder kamen neue Verordnungen und Richtlinien. Im Vereinsprotokoll von 1933 ist wörtlich nachzulesen 'Das Vereinsjahr 1932/33 stand unter keinem günstigen Stern. Verschiedene unliebsame Vorkommnisse hemmten die Vereinstätigkeit, so dass ein ersprießliches Arbeiten nicht möglich war'. So wurde 1934 ein staatliches Vereinsgesetz erlassen, demzufolge der 1. Vorsitzende nicht mehr von den Mitgliedern gewählt werden durfte. Auch die Bezeichnung '1. Vorsitzende' wurde abgeschafft, ab sofort gab es die Bezeichnung 'Vereinsleiter'. Kurat Weimert bestimmte am 25. November 1934 Karl Lang zum Vereinsleiter. Dieser hatte das Amt seit 1923 inne und sollte es bis ins Jahr 1957 auch behalten. Ein schwerer Schlag für die Kirchengemeinde und für das Maurerdorf Wallstadt war die Bombennacht vom 5. auf den 6. September 1943, die Herz-Jesus-Kirche wurde zerstört und die Gottesdienste fanden fortan in der Notkirche, einem Kindergartenraum, statt. Im Jahr 1939 hatte Schwester Agape den Organistendienst und auch die Leitung des Kirchenchors während der Kriegsjahre, übernommen. Auch in diesen Jahren hielt sie gemeinsam mit den Frauen und einem Sänger, Albert Bürger, immer noch Chorproben ab, die oft von Fliegeralarm unterbrochen wurden. Das Ende des Kriegs in Wallstadt ist auf den 28. März 1945 datiert, als die Amerikaner hier einzogen. In der Nachkriegszeit musste man sich neu orientieren und auch von Schwester Agape verabschieden, die vom Mutterhaus abberufen wurde, um ein Studium in Freiburg zu beginnen. Sie war eine hoch geschätzte Dirigentin und hatte für ihren uneigennützigen Einsatz in der katholischen Kirchengemeinde nur Lob bekommen. Es folgten weiter Dirigenten und auch der Neubau der Kirche, die am 17. Dezember 1950 eingeweiht wurde und den Namen 'Christ-König' bekam, konnte gefeiert werden. 1954 glänzte der Cäcilienchor mit einem mitreißenden Operettenkonzert im Prinz Max, die Gesamtleitung hatte Aloisia Kaul, die den Chor 1953 als Dirigentin übernommen hatte. Während ihrer Zeit als Dirigentin begeisterte der Chor durch viele kirchliche und weltliche Konzerte. Verabschieden musste man sich vom Karl Lang, der nach 35-jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung stellte. Seit 1911 hatten zuerst Johann Lang (1911-1923) und dann sein Sohn Karl Lang (1923-1957) dem Chor vorgestanden. Welch Begeisterung und welch Engagement sind da notwendig, um dieses durchzustehen und die Höhen und Tiefen der insgesamt 47 Jahre zu meistern. Zum Nachfolger wurde Hans Spies gewählt. Eine neue Ära begann, das Vereinsleben wurde beständiger und viele unvergessene Konzerte wurden gegeben. Ein besonderes Highlight war das Doppeljubiläum im November 1977. Man feierte das 70-jährige Bestehen des Chors und das 25jährige Chorleiter- und Organisten-Jubiläum von Aloisia Münkel. Die achtziger Jahre ging man etwas ruhiger an. Bemerkenswert war in dieser Zeit der Festgottesdienst zum 75jährigen Jubiläum und die Aufführung der Messe in G-Dur von Franz Schubert, das Ave verum von Mozart, Psalm 150 von Josef Cleuver sowie 'Lobet den Herren der Welt' nach Purcells-Trumpet-Voluntary. Begleitet wurde der Chor vom Bach-Collegium aus Mannheim, dem Mannheimer Bläserensemble und Hans Münch an der Orgel. Die musikalische Gesamtleitung hatte Aloisia Münkel. Neben den wichtigen sakralen Aufgaben, wie Patronatsfeste oder der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten, pflegte man auch immer die Geselligkeit. Unvergessen sind die vielen Ausflüge. Auch hier gab es immer musikalische Einlagen. Dazu gehörten die beiden unvergessenen Musiker Ludwig Vetterer und Anneliese Frank, oder die 'Lustigen Tramps vom Kirchenchor' - Hedwig Herzberger und Anni Walter. Nach 33jähriger Vorstandsarbeit, davon 28 Jahre als 1. Vorsitzender, stellte sich 1985 Hans Spieß nicht mehr zur Wiederwahl. Pfarrer Udo Körner hielt eine Laudatio, in der er Hans Spieß als großes Vorbild für alle Aktiven bezeichnete. Das Amt des 1. Vorsitzenden stellt immer wieder große Anforderungen und Herausforderungen an die Amtsinhaber. Und so folgten Günter Münkel und Wolfgang Frank in den folgenden Jahren, bis 1993 mit Anni Walter erstmals eine Frau gewählt wurde. Sie führte den Verein ins neue Jahrtausend. Bis 2002 führte sie den Verein mit großem Erfolg und ihr wie alle Ihren Vorgängern, den Dirigenten und Menschen wie Heinz und Margarete Lang, die als Dirigenten immer einsprangen, wenn es notwendig war, sei gedankt. Ein Glücksfall in den 90iger Jahren war auch die Verpflichtung der jungen Dirigentin Sonja Gedak. Sie brachte frischen Wind in den Chor und neue Ideen und Gepflogenheiten. Zehn Jahre hielt sie dem Chor, bis 2002, die Treue. Ihre Nachfolgerin Anna Blaut ist nicht minder dynamisch und engagiert. Und steht dem Verein als Dirigentin seit 2003 vor. Als Nachfolgerin von Anni Walter steht Anneliese Rauch seit dem Jahr 2002 dem Chor vor, unterstützt wird sie hierbei vom 2. Vorsitzenden Heini Large und einem kompetenten Vorstandsteam.
obi
Falls Sie an Chormusik interessiert sind und selbst aktiv mitmachen möchten: Jeden Freitag um 19 Uhr haben sie die Möglichkeit, bei einer Singstunde dabei zu sein. Infos zum Chor und zum Konzert bekommt man von Anneliese Rauch, 1. Vorsitzende, Tel: 706383 und Chorleiterin Anna Blaut, Tel: 892123.