„Was ist die ehrenamtliche Arbeit wert“  
  Hauptversammlung der Wallstadter Feuerwehr  
 
 
 
   
  Wie bei der Jahreshauptversammlung angekündigt, pflanzte Stadträtin Evelyne Gottselig, unterstütz von Kommandant Heiko Sohn und Fabian Seidel, einen Baum.

Bild: Jakobi
 
 
         
 
 
Dicht gedrängt saßen die „Blauröcke“ der Wallstädter Freiwilligen Feuerwehr bei der Jahreshauptversammlung. Mittendrin Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Wolfgang Raufelder (B’90/Grüne), seine Stadtratskollegin Evelyne Gottselig (SPD), Bezirksrätin Claudia Schöning-Kalender (SPD), Diakon Bernhard Kohl, sowie der leitende Branddirektor Thomas Schmitt und weitere Vertreter der Berufsfeuerwehr, herzlich begrüßt vom Abteilungs-Kommandanten Heiko Sohn. Der Bericht wurde diesmal von seinem Stellvertreter Enrico Starck vorgetragen. Etwas provokativ stellte dieser die Frage „Was sind die geleisteten ehrenamtlichen Stunden wert“.
Im Jahr 2007 leisteten die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehr stolze 8.846 Stunden. Wenn man den Gebührensatz der Stadt Mannheim nimmt, multipliziert mit der Anzahl der Feuerwehrangehörigen kommt man auf den stattlichen Betrag von 428.196,00 €. In Anbetracht der Tatsache, dass die Stadt Mannheim schon bei der Abteilung Wallstadt 428.196,00 € spart und es in Mannheim noch weitere acht Abteilungen gibt, ist das Engagement für die Finanzkasse der Stadt nicht zu unterschätzen. Durch die Sicherheitswachen wurden zusätzlich real 4.410,00 € für die Stadt Mannheim erwirtschaftet. Auch hier hilft das Ehrenamt die Stadtkasse etwas aufzubessern.
Unbezahlbar ist es außerdem, den Mannheimer Mitbürgern zeitnahe, kompetente Hilfe im gesamten Stadtgebiet, Engagement und Leistungswille in der Not zur Verfügung zu stellen. Kostenlose Fahrzeug- und Gerätepflege, freiwillige Ausbildung und Messung an Qualitätsstandards sowie die Qualifikation des Hauptberufes zum Wohle der Gemeinde sind ebenfalls selbstverständlich.
Die besonderen Highlights im Jahr 2007 waren realitätsnahe Übungen in einem Mannheimer Chemiewerk, ein Großeinsatz in Wohlgelegen sowie das närrische 111-jährige Jubiläum mit Teilnahme am Fasnachts-Umzug in Feudenheim.
Kritisch betrachtet man den Abzug eines wichtigen Löschfahrzeuges. Für die östlichen Stadtteile Wallstadt, Vogelstang und Straßenheim steht jetzt nur noch ein Löschfahrzeug mit Wassertank zur Verfügung. Zwar können aus anderen Feuerwehrhäusern weitere Fahrzeuge zufahren, diese sind jedoch für andere Stadtteile vorgesehen. Enrico Starck meinte, dass es logisch sei, dass Fahrzeuge irgendwann ausgetauscht werden müssen. Hier habe man jedoch ohne Not ein zuverlässiges 25 Jahre altes Fahrzeug ausgemustert. Wenn man Fahrzeuge ausmustere, erwarte er, wie in anderen Wehren üblich, einen sofortigen gleichwertigen Ersatz. Dies sei leider nicht geschehen.
Ebenfalls kritisch beschäftigt man sich mit der räumlichen Situation des Feuerwehrhauses. Mit dem Neubau im Jahr 1967 hat man leider nicht mit eingeplant, dass irgendwann Frauen in die Feuerwehr eintreten und, dass eine selbstverantwortliche Verwaltung entsteht. Auch an einen Raum zur sozialen Kontaktpflege dachte damals Niemand.
Für z.Zt. 36 aktive Kameradinnen und Kameraden sind die bestehenden Räumlichkeiten bei weitem nicht ausreichend.
Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr brauchen neue Lösungen, wie getrennte hygienische Einrichtung für Frauen und Männer, Aufenthalts- und Ausbildungsräume die an die Mitgliederstärke angepasst sind, sowie Räumlichkeiten für Verwaltung und sozialer Kontaktpflege.
Noch dringender wird jedoch ein neuer Umkleideraum benötigt, in dem man sich ohne krebserregende Russpartikel umziehen kann. Momentan ziehen sich die Kameraden in der Fahrzeughalle um. Die private Kleidung wird durch die Abgase der Fahrzeuge mit diesen krebserregenden Partikeln verseucht.
Früher hat man dies nicht als Problem erkannt. Neuere medizinische Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass bereits kleinere Mengen dieser komprimierten Abgase in geschlossenen Räumen zu Krebs führen können. Die Kameraden nehmen die schädlichen Partikel nicht nur durch die Atemwege, sondern auch durch die kontaminierte private Kleidung auf. Hier ist dringender Handlungsbedarf gefordert.
Eine Aufstockung mit einem ausgebauten Spitzdach wäre eine Möglichkeit um die räumlichen Missstände zu beheben. Unter dem Hintergrund, dass das 30 Jahre alte Flachdach in den nächsten Jahren saniert werden müsse, ist dies bestimmt eine Idee über die man nachdenken sollte.
Positiv wurde der Übertritt von 5 Jugendlichen aus der Jugendfeuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr gesehen. Die Jugendarbeit genießt hier einen hohen Stellenwert, da nicht nur Nachwuchsförderung sondern auch allgemeine Jugendarbeit geleistet wird.
Stadtrat und Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Raufelder bedankte sich in seinem Grußwort für das große Engagement. Er fand die Ausführungen sehr aufschlussreich und wies nochmals auf die Bedeutung der freiwilligen Feuerwehren hin. Die Stadträtin Evelyne Gottselig überbrachte die Grüße der SPD-Gemeinderatsfraktion und bedankte sich ebenfalls für das große Engagement. Sie habe viel aus dieser Jahreshauptversammlung mitgenommen. Auch sei sie bereit für den zu fällenden Baum einen neuen Baum zu spenden.

Obi