„Und wenn es köstlich gewesen ist...“  
  Großer Chirurg blickt von den Gipfeln seines Lebens
Prof. Dr. Dr. hc. Michael Trede beging seinen 80. Geburtstag
 
 
 
 
   
  Michael Trede mit seinem Bild „Geigenfrau“
Foto Grabenkamp 2004
 
 
         
 
 
(gra) Unzählige Menschen verdanken seiner ärztlichen Kunst ihre Gesundheit, unzählige Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter in aller Welt bedeutende Fähigkeiten und Erkenntnisse – und ebenso verdanken ihm unzählige Menschen aller Kontinente die Begegnung mit einem zutiefst humanen Menschen und Arzt: Prof. Dr. Dr. hc Michael Trede beging am 10. Oktober 2008 in Mannheim seinen 80. Geburtstag gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Pianistin Ursula Trede-Boettcher, im Kreise seiner fünf Kinder, deren Partnern und 12 Enkelkindern. Offizielle Ehrung kommt dem 1998 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Ordinarius für Chirurgie (1972 -98) in einem Symposium des Unversitätsklinikums Mannheim, für das Prof. Dr. Stefan Post erklärt: „Professor Dr. Michael Trede steht wie kaum ein anderer Chirurg der letzten Jahrzehnte für die „Kultur“ in der Chirurgie in Deutschland – als chirurgischer Lehrer, im Dialog mit anderen Fachgesellschaften, im internationalen Austausch und natürlich als „chirurgischer Künstler“. Im Rahmen dieses Symposiums werden aus unterschiedlichen Perspektiven sowohl „Chirurgische Schulen“ als auch Aspekte von „Chirurgie und Kultur“ beleuchtet. Prof. Dr. Dieter Heene (Feudenheim) wird zu „Die Kunst (in) der Chirurgie aus der Sicht der Inneren Medizin“ sprechen.

Der Lebenslauf Michael Tredes war von großen Schwierigkeiten umstellt. Er wurde als Kind mit seiner Mutter, einer jüdischen Musikwissenschaftlerin, aus Deutschland von den Nazis vertrieben, besuchte trotz spartanischer Lebensumstände mit Stipendien englische Eliteschulen und die Universität Cambridge bis zum Staatsexamen in Medizin. 1955 kehrte er als britischer Militärarzt nach Deutschland zurück. Von 1952-72 war er wissenschaftlicher Assistent und Oberarzt an den Chirurgischen Univ. Kliniken in Berlin und Heidelberg, verbrachte ein Forschungsjahr an der Univ. of California Los Angeles, habilitierte 1966, war von 1972 – 98 Ordinarius für Chirurgie in Mannheim und ab 1985 Hon. Fellow am Royal College of Surgeons of England, Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Academia Leopoldina in Halle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Präsident der Societé Internationale de Chirurgie, seit 1995 Dr. med. h.c. der Universität Edinburgh. Bei seiner Emeritierung 1998 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Tredes beispielloser beruflicher Einsatz, den er mit der Einführung neuer schonender Operationsmethoden krönte, wird in frappanter Weise umrahmt von seiner Liebe zu klassischer Musik, seinem Talent als Geigenspieler und seinem künstlerischen Werk als Maler. Ausstellungen in Mannheim und Heidelberg zeigen Trede als einen kritischen Betrachter dieser Welt, einen eigenen, unverwechselbaren modernen Stil kreierend, der großes Talent verrät.
Auf seinen zahlreichen Reisen im Dienste der Wissenschaft war seine Frau Ursula nicht nur seine Begleiterin, sondern konzertierte bei den Kongressen als mit vielen Preisen ausgezeichnete, bejubelte Pianistin. Sein Skizzenbuch führte Trede jedoch auch stets mit, und so verdankt man ihm dadurch optische Einblicke in fremde Welten, die man in seinen Büchern wiederfindet. Hier sieht man auch Bilder der Alpen, in denen Trede Erholung fand beim alpinen Skilauf und Bergsteigen. Kurz vor seinem 80. Geburtstag bestieg er gemeinsam mit Frau Ursula den Monte Pelmo (3168 m) in den Dolomiten, immerhin Klasse II Schwierigkeitsgrad und kein „Sonntagsspaziergang“.

Diese Bergtour mag ein Sinnbild sein für den beispielhaften, hart erarbeiteten Aufstieg eines aus seiner Heimat verstoßenen Kindes, das als „Der Rückkehrer“ (Trede ISBN 3 – 609 – 20163 – 0) dieser Heimat und seinen Menschen unschätzbare Dienste erwies.


Lydia Grabenkamp

Unter www.feudenheim-net.de veröffentlichten wir zum Werk Prof. Tredes die folgenden Links:
'Der Rückkehrer'
'Eine ungehaltene Predigt'
'Operationen mit Pinsel und Mannemer Gosch'